Jedes Jahr strömen immer mehr junge Menschen mit demselben Ziel an die Unis: Sie wollen einen Abschluss an einer staatlich anerkannten Hochschule erwerben. Denn als Akademiker:in eröffnen sich dir völlig neue Chancen in Sachen Karriere. Wir haben uns deshalb drei ganz klassische Branchen herausgegriffen, zeigen dir deren berufliche Perspektiven auf und geben dir nützliche Tipps für die Bewerbung.
Eine Karriere als Akademiker:in lohnt sich vor allem in drei klassischen Bereichen: Medizin, Jura und Wirtschaftswissenschaften. Jeder davon bietet mehrere Berufswege mit eigenen Anforderungen und Gehaltsaussichten – wir gehen sie der Reihe nach durch.
Karriere in der Medizin
Der Arztberuf genießt bei weiten Teilen der Bevölkerung noch immer ein hohes Ansehen. Zu Recht, denn ehe man vom Hörsaal in den OP wechseln kann, vergehen mindestens zwölf Semester – für die meisten Medizinstudierenden sind es mehr. Eine Menge Zeit also, sich über die eigene Karriere Gedanken zu machen? Vielleicht. Dafür ist die Bandbreite an Jobs allerdings auch sehr groß.
Nicht zuletzt Dr. Brinkmann und seine „Schwarzwaldklinik“ haben in den Köpfen vieler Zuschauer:innen eine geradezu groteske Vorstellung vom Arztberuf aufkeimen lassen. Das medizinische Personal flaniert über den Stationsflur. Dann und wann passt man eine Kollegin ab und nimmt sich die Zeit für einen kurzen Plausch, ehe man sich dem einen Patienten widmet, dem man gerade zugeteilt ist.
Die Realität sieht anders aus: Allein in einer vorstädtischen Privatpraxis gehen gut und gerne 30 Patient:innen pro Vormittag im Behandlungszimmer ein und aus. Wer eine Stelle in einer Klinik annimmt, den erwarten vor allem Schichtdienst und eine horrende Anzahl an Überstunden. Grund genug, sich vor der Bewerbung auf eine solche Position schon einmal Gedanken über alle möglichen Optionen zu machen.
Karriere als Mediziner:in #1: Die kurative Medizin
Zwar hat ihr Image wegen der oft schlechten Work-Life-Balance bei jüngeren Mediziner:innen etwas gelitten, dennoch entscheidet sich die Mehrheit der Absolvent:innen für einen Werdegang in der kurativen Medizin. Der Wille, anderen Menschen zu helfen und sie zu heilen, ist noch immer eines der Hauptmotive für die Studienwahl.
Wer sich mit Arbeitszeiten und -pensum arrangieren kann, hat gute Chancen, in der kurativen Medizin Fuß zu fassen. Wie viele andere Branchen leidet auch der Arztberuf unter den Folgen der demografischen Entwicklung. Viele Vertreter:innen der sog. Babyboomer-Generation treten in den kommenden Jahren den Ruhestand an. Gleichzeitig steigt jedoch das Behandlungsaufkommen, da die Belastung im immer schnelllebiger werdenden Berufsalltag zunimmt. Schon heute ist der Bedarf an jungen Ärzt:innen so groß, dass sie von Kommunen in ländlichen Gebieten gefördert werden, sofern sie sich dort niederlassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und eine Karriere ist aussichtsreich.
Die gängigsten Berufsfelder sind:
- Allgemeinmedizin
- Chirurgie
- Dermatologie
- Gynäkologie
- HNO-Heilkunde
- Anästhesiologie
Zu beachten gilt: Zu vielen Berufszweigen gibt es verschiedene Vertiefungsmöglichkeiten. Die Chirurgie beispielsweise ließe sich in Kinder-, Unfall- oder Gefäßchirurgie vertiefen. Es würde wohl mehr als einen weiteren Beitrag brauchen, alle Optionen der kurativen Medizin aufzuschlüsseln.
Anforderungen in der kurativen Medizin
Normalerweise könnten Mediziner:innen bereits nach Abschluss des zwölf Semester umfassenden Studiums als Arzt oder Ärztin praktizieren und so den Karrierestart antreten. Den meisten reichen diese Ausbildung und die sich aus ihr ergebenden Möglichkeiten jedoch nicht aus – sie entscheiden sich für eine Facharztausbildung nach der Approbation. Diese dauert weitere fünf Jahre, sofern sie in Vollzeit absolviert wird.
Für den Arztberuf sind neben der nötigen Fachkompetenz auch Stressresistenz und Einfühlungsvermögen vonnöten. Patient:innen sind Laien, die um ihre Gesundheit besorgt sind. Aus diesem Grund wollen sie, dass man ihnen zuhört, ihnen die medizinische Situation verständlich erklärt und auf ihre Nachfragen eingeht. Für einen reibungslosen Arbeitsablauf muss darüber hinaus auch der Umgang des medizinischen Personals untereinander freundlich und von Wertschätzung geprägt sein. Patient:innen registrieren durchaus, ob Ärzt:innen Teamplayer sind und wie es um die Atmosphäre in Kliniken und Praxen bestellt ist.
Gehalt in der kurativen Medizin
Ärzt:innen gehören zu den Besserverdienenden – und das hat seine Berechtigung. Schließlich muss das Gehalt genügend Anreiz bieten, sich auf ein Berufsfeld mit wenig Freizeit und einem hohen Arbeitsaufkommen einzulassen, das zudem eine exzellente Ausbildung erfordert.
Das tatsächliche Gehalt von niedergelassenen Ärzt:innen ist nur sehr schwer feststellbar. Hier kann es von Fachbereich zu Fachbereich erhebliche Unterschiede geben. Zudem geht die eigene Praxis mit einem unternehmerischen Risiko einher, das bei den Erträgen eine große Rolle spielt, pauschal aber auch nur schwer zu bestimmen ist.
Klinikärzt:innen besitzen gegenüber niedergelassenen Kolleg:innen die besseren Aufstiegschancen, ihre Karriereleiter ist in der Regel steiler. Je nach Dauer der Berufstätigkeit und Weiterbildungen sind Beförderungen zum Stationsarzt, Oberarzt und schließlich Chefarzt möglich. Laut praktischarzt.de verdienen Oberärzt:innen 2026 im Schnitt rund 12.000 € brutto im Monat (etwa 146.000 € im Jahr), bei Chefärzt:innen liegen die Jahresgehälter im Mittel zwischen 250.000 und 300.000 €. Eine besonders gute Nachricht: Auch Ärzt:innen in Weiterbildung müssen sich wenig Sorgen um den Lebensunterhalt machen. Ihr Einstiegsgehalt liegt häufig bei etwa 5.000 € brutto im Monat, Fachärzt:innen kommen im Median auf rund 6.500 €.

Karriere als Mediziner:in #2: Die Arbeits- und Betriebsmedizin
Nicht immer führt der erste Weg von Arbeitnehmer:innen zum Hausarzt. Viele Betriebe beschäftigen sog. Arbeits- oder Betriebsmediziner:innen – wahlweise extern oder intern direkt am Unternehmensstandort.
Das Hauptaufgabengebiet von Arbeitsmediziner:innen sind berufsbedingte Krankheiten, beispielsweise die Schweißerlunge, Asbestose sowie Rücken- und Gelenkbeschwerden. Anstatt wie in einer Klinik bzw. Praxis Symptome und Ursachen von Krankheiten zu behandeln, ergreifen Arbeitsmediziner:innen eher präventive Maßnahmen. Ihr Job ist demzufolge die Vorsorge: Sie schaffen ein ergonomisches Arbeitsumfeld, führen regelmäßige Gesundheitschecks mit den Beschäftigten durch und schreiten ein, wenn eine Tätigkeit gesundheitsgefährdend erscheint.
Anforderungen in der Arbeits- und Betriebsmedizin
Auch den Titel Facharzt für Arbeits- und Betriebsmedizin erhält man durch eine fünfjährige Facharztausbildung. Neben medizinischen Kenntnissen können je nach Branche des Unternehmens, für das du tätig bist, auch grundlegende Kenntnisse in Chemie, Physik oder Biologie nötig sein. Wer zudem Weiterbildungen oder Seminare in den Bereichen Arbeitssicherheit und/oder Arbeitsrecht vorweisen kann, kann in der Bewerbung oder beim Vorstellungsgespräch punkten. Grundsätzlich gilt: Je mehr Know-how du vorweist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du mit deiner Bewerbung den Weg in eine erfolgreiche Karriere ebnen kannst.
Gehalt in der Arbeits- und Betriebsmedizin
Die meisten Arbeits- und Betriebsmediziner:innen sind für Unternehmen tätig. Durch das Arbeitsverhältnis besteht oft auch Tarifbindung an den Arbeitgeber, was keine immensen Gehaltssprünge zulässt, sich aber dennoch lohnt.
In der Regel steigen Fachärzt:innen für Betriebsmedizin gehaltstechnisch geringer ein als ihre Kolleg:innen in städtischen Kliniken. Ob und wie sich an den Verhältnissen etwas ändert, hängt aber maßgeblich von Branche und Größe des Unternehmens ab. Je mehr Beschäftigte betreut werden müssen, umso größer sind auch Belastung und Verantwortung – das spiegelt dann auch die Gehaltsabrechnung wider. Bei Berufsstart betragen die Gehälter knapp 60.000 € brutto jährlich, können sich im Verlauf der Karriere aber auf 80.000 – 90.000 € einpendeln. Besteht ein außertarifliches Dienstverhältnis, kann das Gehalt frei verhandelt werden. In Führungspositionen lohnt sich das besonders – dann sind teils deutlich über 120.000 € jährlich drin.

Karriere als Mediziner:in #3: Die Medizintechnik
Hörgeräte, Herzschrittmacher, EKGs – Jobchancen für Mediziner:innen ergeben sich auch im technischen Bereich, denn irgendwo müssen all diese Geräte ja herkommen. Wer den Umgang mit Patient:innen und den Krankenhaus- bzw. Praxisalltag scheut und gleichzeitig technikaffin ist, für den lohnt sich eventuell eine Karriere in der Medizintechnik. Diese ist theoretisch nach Abschluss des Medizinstudiums möglich; seit einigen Jahren existiert das Fach Medizintechnik aber auch als eigenständiger Bachelor- bzw. Masterstudiengang.
Entwicklung und Implementierung von Diagnose- und Behandlungsverfahren benötigen nicht nur die Expertise fähiger Ingenieur:innen. Um sicherzustellen, dass durch die neu entwickelten Geräte und Instrumente kein Schaden am Menschen entsteht, braucht es zudem medizinisches Fachwissen. Medizintechniker:innen bilden deshalb die Schnittstelle zwischen Patient:innen, Produktentwicklung und Management.
Anforderungen in der Medizintechnik
Medizintechniker:innen müssen gleichermaßen Kenntnisse in Anatomie, Psychologie und Biophysik besitzen und auch über ein fundiertes Wissen in Informatik, Elektrotechnik und Ingenieursmathematik verfügen.
Da der direkte Umgang mit Patient:innen entfällt, sind weniger Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Dafür erfordert der Beruf aber analytisches und interdisziplinäres Denken. Interesse an technischen Fragestellungen und mathematischen Zusammenhängen ist ebenso Grundvoraussetzung.
Gehalt in der Medizintechnik
Die Medizintechnik gilt als Ingenieursberuf und wird auch in vergleichbarer Weise vergütet wie die Arbeit von Elektroingenieur:innen oder im Maschinenbau. Im Klartext bedeutet das: Medizintechniker:innen sind gehaltstechnisch etwas schlechter aufgestellt als Ärzt:innen. Im Schnitt liegt ihr Bruttoeinkommen zwischen 45.000 und 65.000 € jährlich.
Eine wichtige Gehaltsgrundlage bildet der Abschluss: Liegen Bachelorabsolvent:innen zwischen 3.500 und 6.000 € im Monat, erreicht man mit dem Master in Führungspositionen und als Teamleitung bis zu 8.000 €.

Karriere als Mediziner:in #4: Rechtsmedizin
Halb Arzt, halb Jurist:in. Diese Kombination ist durchaus gefragt auf dem Arbeitsmarkt und bietet weitere Karrieremöglichkeiten für Mediziner:innen. Geht es um Gesundheitsfragen, zieht die Rechtsprechung häufig medizinische Expert:innen zur Urteilsfindung hinzu. Ganz im Stil der 90er-Jahre-Serie „Quincy“ kann es dabei um die sog. Thanatologie gehen – die Leichenschau und die Untersuchung von ungeklärten Todesfällen. Doch die Rechtsmedizin, auch Gerichtsmedizin oder forensische Medizin genannt, umfasst noch weitere Teilbereiche, zum Beispiel Toxikologie, Alkohologie oder Molekularbiologie. Auch Vaterschaftstests oder die Rekonstruktion von Unfällen gehören zu ihren Aufgaben.
Niedergelassene Rechtsmediziner:innen gibt es so gut wie keine. Hauptsächlich sind sie an entsprechenden Instituten für Rechtsmedizin, Krankenhäusern oder Universitätskliniken angestellt.
Anforderungen in der Rechtsmedizin
Auch die Rechtsmedizin basiert auf einer Facharztausbildung, die an das allgemeine Medizinstudium anschließt. Du musst kein zusätzliches Jurastudium absolvieren, um als Rechtsmediziner:in praktizieren zu können. Der Beruf erfordert allerdings die häufige Kommunikation mit Jurist:innen. Fachärzt:innen müssen sich deshalb mit rechtlichen Grundlagen auseinandersetzen und die Sicht von Jurist:innen kennen und verstehen, damit keine Missverständnisse entstehen.
Der Beruf erfordert ganz eigene Soft Skills, wie sie in kaum einem Tätigkeitsfeld gefragt sind. Wer die Obduktion von Leichen durchführt, braucht ein außerordentliches Maß an Nervenstärke. Die Beurteilung eines Sachverhalts und das anschließende Gutachten haben nicht selten juristische Folgen, die für Kläger:innen wie Beklagte schwerwiegend sein können. Entscheidungsstärke und eine hohe Analysekompetenz sind daher unabdingbar.
Gehalt in der Rechtsmedizin
Auch Rechtsmediziner:innen sind Angestellte, deren Gehälter tariflich geregelt sind. Die Einstiegsgehälter belaufen sich auf etwa 4.000 € – 5.000 € brutto im Monat. Vor allem an Universitätskliniken sind die Verdienstaussichten besser – weshalb diese Stellen gefragt sind und die Bewerber:innenzahl entsprechend hoch ist.

Karriere als Jurist:in
Eine Mitarbeiterin eines Beratungsunternehmens, ein Richter, eine Rechtsanwältin und der Leiter der juristischen Abteilung eines Großunternehmens. Was haben all diese Personen gemeinsam? Sie haben Jura studiert. Das Jura-Studium bietet zahlreiche Möglichkeiten für den Berufseinstieg, nicht immer führt der Weg vom Hör- in den Gerichtssaal. Bewerbungstraining.de hat die besten Karrierechancen für Jurist:innen einmal aufgelistet.
Jurist:innen sind pedantisch, haben gerne Recht und sprechen ihre ganz eigene Sprache. Klischees über Jurastudierende gibt es reichlich. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass es die typische Juristin oder den typischen Juristen gar nicht geben kann. Der Berufszweig ist so vielfältig wie kaum ein anderer. Im Folgenden geben wir dir einen groben Überblick über die Karrieremöglichkeiten für Jurist:innen und welche Fähigkeiten du mitbringen musst, damit deine Bewerbung Erfolg hat.
Examensstudium vs. Bachelor und Master
Das Jurastudium im klassischen Sinne versteht sich als Examensstudium. Nach dem Bestehen beider Staatsexamen giltst du als sog. „Volljurist:in“. Viele Absolvent:innen wählen dann den traditionellen Weg und entscheiden sich für eine Karriere als Rechtsanwält:in, Richter:in oder Anwält:in im Staatsdienst. Spätestens seit der Umstellung des Universitätsmodells auf Bachelor- und Masterstudiengänge lohnt sich aber auch schon im Vorfeld der Blick in die freie Wirtschaft. Wer den Titel Bachelor bzw. Master of Laws innehat, findet seinen beruflichen Einstieg häufig in den juristischen Abteilungen von Unternehmen.
Neu seit 2025: Mehrere Bundesländer – darunter Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg – führen schrittweise den „integrierten Bachelor of Laws“ (LL.B.) ein. Dieser Abschluss wird automatisch innerhalb des Staatsexamensstudiums verliehen, sobald bestimmte Studienleistungen erbracht sind – ohne Mehraufwand. Wichtig zu wissen: Für die klassischen juristischen Berufe wie Richter:in oder Rechtsanwält:in bleiben die beiden Staatsexamen weiterhin Pflicht. Der integrierte Bachelor ist vor allem ein Sicherheitsnetz und öffnet zusätzliche Türen in die Wirtschaft, in den öffentlichen Dienst oder in angrenzende Felder.
Karriere als Jurist:in #1: Der Justizdienst
Entscheiden sich Jurastudierende bewusst für den öffentlichen Dienst, streben die meisten von ihnen den sog. höheren Justizdienst an, der die Tätigkeit als Richter:in oder Staatsanwält:in umfasst. Staatsanwält:innen vertreten den Staat bei Rechtsfragen und bieten Karrieremöglichkeiten für Jurist:innen im traditionellen Sinne.
Das heißt jedoch nicht, dass sich die breite Masse für einen Werdegang im höheren Justizdienst entscheidet. Tatsächlich ist dem nicht so. Studien zufolge wird es zunehmend schwieriger, junge Jurist:innen für den Bereich zu begeistern. Das ist vor allem deshalb heikel, weil eine große Pensionierungswelle auf Gerichte und Staatsanwaltschaften zurollt. Wer sich entgegen dieses Trends für den Beruf der Staatsanwältin oder des Richters begeistern kann, für den ist das wohl eine gute Nachricht: Der zunehmende Personalbedarf wird die Einstiegsnoten in den kommenden Jahren sicher nicht steigen lassen.
Anforderungen im Justizdienst
Das Bewerbungsverfahren für den höheren Justizdienst steht und fällt mit den Examensnoten. Welche Institution für das Verfahren zuständig ist und welche Zugangsnoten mindestens erreicht werden müssen, obliegt den Bundesländern und kann variieren. Mal sind beide Staatsexamen für die Bewerbung relevant, mal nur das zweite, mal wird aus beiden Abschlussnoten die Summe gebildet und eine gewisse Punktzahl darf nicht unterschritten werden. Grundsätzlich wird dem zweiten Examen aber mehr Bedeutung zuteil als dem ersten.
Die gute Nachricht: Die magische Grenze ab einer Punktzahl von 9,0 – der sog. Vollbefriedigung – muss praktisch nie erreicht werden. Vielmehr bewegen sich die Mindestanforderungen zwischen 7,0 und 8,0 Punkten je Examensprüfung.
Allerdings werden deine Bewerbungsunterlagen samt Anschreiben, Nachweisen usw. ungelesen aussortiert, solltest du die geforderte Punktzahl unterschreiten. Die Notenanforderungen sind kein Richtwert, sondern verbindlich und müssen zur Erfüllung aller formellen Kriterien erreicht sein.
Vor allem Richter:innen sehen sich in ihrem Berufsalltag mit zahlreichen Konflikten konfrontiert. Bestimmtheit, aber auch ein deeskalierendes Auftreten sind essenzielle Eigenschaften für den Beruf, die jedoch in keiner Jura-Vorlesung gelehrt werden. Gerade im Anwaltsberuf zählt eine Reihe von Soft Skills. Eine souveräne Verhandlungsweise bedingt ein sicheres Auftreten. Ein guter Anwalt ist auch ein eloquenter Rhetoriker – der Umgang mit Sprache ist in der Rechtswissenschaft aber generell wichtig.
Gehalt im Justizdienst
Statistiken zufolge lässt sich im Justizdienst weniger verdienen als in der freien Wirtschaft. Dennoch sind die Gehaltsaussichten für Berufseinsteiger:innen nach zwei bestandenen Examen und Referendariat sehr positiv. Die Besoldung von Staatsdiener:innen ist in den Landesbesoldungsgesetzen geregelt und kann je nach Bundesland um mehrere hundert Euro im Monat schwanken. Auch die Größe des Gerichts und dein Aufgabenbereich spielen beim Gehalt eine Rolle.
Berufseinsteiger:innen – egal ob Richter:in oder Staatsanwält:in – können je nach Bundesland mit etwa 4.700 € bis 5.500 € brutto monatlich rechnen. In den höheren Besoldungsstufen sind im Verlauf der Karriere Spitzengehälter von rund 10.000 € im Monat möglich.

Karriere als Jurist:in #2: Die Rechtsanwaltschaft
Wenn Staatsanwält:innen die Interessen von Bund und Ländern vertreten, muss sich eine Gruppe von Jurist:innen auch den Interessen von Privatpersonen, gemeinnützigen Vereinen und Unternehmen widmen. Dieser Aufgabe verschreiben sich Rechtsanwält:innen, die in allen möglichen Rechtsgebieten aktiv sind: sei es das Strafrecht, Arbeitsrecht, Erbrecht, Sozialrecht, Mietrecht oder Familienrecht.
Anforderungen in der Rechtsanwaltschaft
Viele Anwaltskanzleien erwarten von ihren Bewerber:innen zwei gute bis überdurchschnittliche Examensabschlüsse. Auch Vollbefriedigung bei beiden Prüfungen wird hin und wieder verlangt – diese Hürde überwinden aber nur etwa zehn Prozent aller Studierenden. Im Zuge des War for Talents haben die meisten Kanzleien aber erkannt, dass Noten allein nicht alles sind. Berufserfahrung erhöht die Jobchancen für Jurist:innen ungemein, idealerweise nicht nur im Rechtsgebiet der vakanten Stelle, sondern auch in den angrenzenden Gebieten (zum Beispiel Urheberrechtskenntnisse im Medienrecht).
Verhandlungssichere Englischkenntnisse sind in vielen Fällen ebenso vonnöten, da Kanzleien oft international operierende Unternehmen vertreten. Es wird außerdem immer mehr auf Business-Skills Wert gelegt. Anwält:innen mit BWL-Kenntnissen sind gefragt wie nie. Aus diesem Grund haben Weiterbildungen einen großen Wert für deine Karrierechancen. Was die rhetorischen Fähigkeiten anbelangt, gilt für Rechtsanwält:innen dasselbe wie für die Kolleg:innen im Staatsdienst. Allerdings gilt eine Anwältin oder ein Anwalt ein Stück weit als das Produkt der eigenen Kanzlei, soll heißen: Man muss Mandant:innen akquirieren und sich ihnen gegenüber zu verkaufen wissen.
Gehalt in der Rechtsanwaltschaft
Wie der obere Absatz beweist, stellen Anwaltskanzleien hohe Ansprüche an ihre Bewerber:innen. Dafür werden die Arbeitsplätze aber auch entsprechend vergütet. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt 2026 bei rund 43.000 € brutto jährlich; in kleinen Kanzleien startet man teils bei 35.000 €, in Großkanzleien sind dagegen schon zum Einstieg sechsstellige Summen möglich. Anwält:innen mit mehrjähriger Berufserfahrung verdienen im Schnitt rund 70.000 € und damit deutlich mehr als beim Karrierestart.

Karriere als Jurist:in #3: Die Rechtsberatung
Nicht jedes Unternehmen führt eine eigene Rechtsabteilung. Vielmehr wickeln gerade kleinere und mittelständische Betriebe ihre juristischen Angelegenheiten über externe Beratungsunternehmen ab – daraus ergibt sich ein Berufszweig für Juraabsolvent:innen, die sich für einen Werdegang in der Gerichtsbarkeit nicht erwärmen können.
Wer den Gehaltsgipfel erklimmen will, findet diesen nach wie vor bei den großen Konzernen mit interner Rechtsberatung. Hier erwartet die Arbeitnehmer:innen aber meistens eine große Verantwortung und ein hohes Arbeitspensum.
Anforderungen in der Rechtsberatung
Rechtsberater:innen müssen nicht zwingend Volljurist:innen sein, in vielen Fällen genügt auch das erste Staatsexamen oder der Abschluss eines Studiums mit juristischem Schwerpunkt. Wichtig sind neben juristischer Expertise auch Branchenkenntnisse. Beratungsunternehmen agieren oft in konkreten Geschäftsfeldern, zum Beispiel im Datenschutz oder im Wirtschaftsrecht. Deshalb solltest du idealerweise über Berufserfahrung verfügen und/oder in deinem Lebenslauf auf Praktika und Weiterbildungsmaßnahmen verweisen können. In unserem Bewerbungsunterlagen Check zeigen wir, wie du diese ideal in deiner Bewerbung zur Geltung kommen lässt.
Gehalt in der Rechtsberatung
Der Stellenmarkt ist innerhalb der Rechtsberatung stark umkämpft – nicht selten gehen viele Bewerbungen auf eine einzige Stelle ein. Vor allem Jurist:innen mit mittelmäßigen und unterdurchschnittlichen Abschlussnoten müssen deshalb Abstriche beim Jahresgehalt machen, um sich überhaupt realistische Jobchancen auszurechnen. Aus diesem Grund sind gerade die Einstiegsgehälter vergleichsweise niedrig angesiedelt und variieren je nach Bundesland zwischen 2.800 € und 3.500 € monatlich. Nach oben hin bietet die Rechtsberatung aber eine Menge Spielraum. In kaum einer anderen Branche sind Noten und Zertifikate so gefragt, aber auch so lohnenswert. Gut qualifizierte Angestellte verdienen auf der höchsten Stufe der Karriereleiter zwischen 75.000 und 95.000 € im Jahr.

Tipps für die Bewerbung als Jurist:in
Volljurist:innen mit vollbefriedigenden Examen können sich ihr künftiges Berufsfeld praktisch aussuchen. Doch auch für sie gibt es nach dem Studium noch Hürden zu überwinden – Gleiches gilt umso mehr für Absolvent:innen mit weniger guten Abschlussnoten.
Im öffentlichen Dienst – egal auf welcher Ebene – wirst du sicher mit Einstellungstests und Auswahlverfahren konfrontiert. Diese bestehen mindestens aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Je nach Bereich kommen eventuell noch individuelle Aufgaben hinzu, zum Beispiel ein Assessment Center.
Bewerber:innen in der freien Wirtschaft haben in der zweiten oder dritten Runde des Auswahlverfahrens ein Vorstellungsgespräch. Für den Staatsdienst sind eher Gesprächsrunden üblich. In beiden Fällen wirst du mit Sicherheit zu deiner Motivation und deinen Fähigkeiten befragt. Geh keinesfalls unvorbereitet in ein solches Gespräch: Gerade wenn du den Anforderungen der vakanten Stelle nur knapp gerecht wirst, kannst du deine Jobchancen im Dialog noch einmal kräftig steigern – oder durch einen Fauxpas sämtliche Sympathien verspielen.
Karriere als Wirtschaftswissenschaftler:in
„Wer nichts wird, wird Wirt!“ Ein Spruch, den garantiert jede:r Wirtschaftswissenschaftler:in mindestens einmal in der akademischen Laufbahn gehört haben dürfte. Dass man keinerlei Neigungen braucht, um beispielsweise im BWL-Studium erfolgreich zu sein, ist ebenso wenig haltbar wie die Behauptung, dass es für Absolvent:innen in der Wirtschaft keine Perspektiven gibt. Das Gegenteil ist der Fall: Wir listen die besten Branchen für WiWis auf und geben Auskunft darüber, welche Fähigkeiten du mitbringen solltest, um im jeweiligen Berufszweig Fuß zu fassen.
WiWis wussten nicht, was sie studieren sollten, also wurden sie WiWis – und wollen mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld verdienen. Klischees über das Studenten- und Arbeitsleben von Wirtschaftswissenschaftler:innen – allen voran den BWLer:innen – gibt es zuhauf. Heute noch zutreffend sind davon sicherlich die wenigsten: Auch als Betriebswirt:in kommt man nur mit viel Engagement durchs Studium – Interesse an den breit gefächerten Aufgaben- und Themengebieten vorausgesetzt. Einen gut bezahlten Job, bei dem auch die restlichen Konditionen stimmen, bekommt nur, wer sich durch besondere Fähigkeiten auszeichnet. Skills sind gefragt: sowohl die weichen als auch die harten Faktoren. Dabei könnte das Aufgabengebiet kaum größer sein als bei Wirtschaftswissenschaftler:innen. Die folgende Liste gibt dir einen groben Überblick über die Themenfelder.
Karriere als Wirtschaftswissenschaftler:in #1: Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung
Buchungssätze, doppelte Buchführung, Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Jahresbilanz, Konzernbilanz: Obwohl das Rechnungswesen seit jeher zu den klassischen BWL-Disziplinen gehört, ist der Bereich unter Wirtschaftswissenschaftler:innen beileibe nicht der gefragteste. Daraus kann sich allerdings eine Karriere für diejenigen ergeben, die sich für Buchführung und Bilanzierung begeistern können.

Anforderungen im Rechnungswesen
Viele Stellen im Bereich Rechnungswesen sind in der Finanzbranche zu finden. Weist dein Studium eine Vertiefung in Bankwesen und Finanzmanagement auf, ist das deshalb sicher kein Nachteil. Gute Noten in Buchführung oder Kosten- und Leistungsrechnung sind für potenzielle Arbeitgeber ebenfalls ein Beleg für dein Interesse am Rechnungswesen. Da du in deinem Beruf häufig mit Informations- und Kommunikationstechnologie zu tun haben wirst, solltest du über IT-Kenntnisse verfügen. Das Sammeln von unternehmensbasierten Kennzahlen allein ist nicht deine Aufgabe. Vor allem im Controlling musst du gegebene Daten auswerten und aus ihnen Rückschlüsse für die strategische Planung ziehen können. Dafür sind analytische Fähigkeiten vonnöten. Um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen, ist zudem die Kommunikation zwischen den verschiedenen Bereichen wichtig. Da andere deine aus Zahlen gewonnenen Erkenntnisse letztlich umsetzen müssen, brauchst du eine gute Überzeugungsfähigkeit.
Stellenangebote im Rechnungswesen
Zwar ist die Finanzbranche eine gute, wenn nicht die beste Anlaufstelle für eine Karriere im Rechnungswesen, aber sicherlich nicht die einzige. Letztlich braucht mindestens jedes mittelständische Unternehmen eine funktionierende, eigenständig agierende Buchhaltung, was den Arbeitsmarkt umso vielfältiger macht. Deine Aufgaben müssen sich aber nicht am betriebsinternen Rechnungswesen orientieren. Viele Unternehmen, vor allem kleinere, lagern ihre Angelegenheiten im Rechnungswesen aus. Daraus ergeben sich auch Stellen im Dienstleistungsbereich, beispielsweise in der Unternehmensberatung.
Gehalt im Rechnungswesen
Eine Karriere im Rechnungswesen kann sich lohnen. Im Bundesdurchschnitt verdienen Beschäftigte im Rechnungswesen rund 4.500 € brutto monatlich. Das Gehalt kann aber regional und je nach Größe des Betriebes stark schwanken. Wenig überraschend dürfte sein, dass Hessen bei den Bruttolöhnen die Nase vorn hat – immerhin befindet sich in Frankfurt am Main das Herz der Finanzbranche.
Karriere als Wirtschaftswissenschaftler:in #2: Marketing
Spätestens seit sich das Marketing als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften fest etabliert hat, gehört das Klischee vom trockenen BWL-Studium der Vergangenheit an. Das Spektrum des Marketings ist breit gefächert und vor allem für kreative Absolvent:innen eine Alternative zum zahlenlastigen Rechnungswesen.
Anforderungen im Marketing
Im Marketing übernimmst du häufig redaktionelle Aufgaben, die einen sicheren Umgang mit Suchmaschinen, Web-Diensten und Office-Anwendungen voraussetzen. Zudem musst du dich unter Umständen in Themen einarbeiten, die dir bis dato fremd sind. Recherchierte Inhalte in ansprechender Form aufzubereiten, erfordert einiges an Redegewandtheit und Vorstellungskraft. Selten arbeitet man im Marketing allein – bei großen Unternehmen ist das so gut wie nie der Fall. Daher sind auch Teamfähigkeit und soziale Kompetenz für eine langfristig zufriedenstellende Zusammenarbeit wichtig.

Stellenangebote im Marketing
Event-Marketing bezeichnet die zielgerichtete Planung und Gestaltung von Veranstaltungen und ist unter Absolvent:innen der Wirtschaftswissenschaften besonders gefragt. Leider sind Stellenangebote in diesem Bereich rar und vorwiegend in entsprechenden Marketing-Agenturen zu finden. Mit dem Aufschwung der sozialen Medien haben sich aber auch im Marketing neue Karrierechancen ergeben. Vor allem Social-Media- und Content-Marketing-Manager:innen sind bei Unternehmen verschiedenster Größen begehrt, da diese in der Regel auch eine Online-Präsenz haben. In der jüngeren Vergangenheit kam noch das Influencer-Marketing hinzu, dessen Ziel es ist, die Reichweite von Unternehmen über Multiplikator:innen und Meinungsmacher:innen zu erhöhen.
Gehalt im Marketing
Da Marketing bei Absolvent:innen so ein gefragtes Feld ist, müssen gerade Berufsanfänger:innen beim Gehalt Abstriche machen. Durchschnittlich erhält ein:e Marketing-Manager:in rund 3.500 € brutto monatlich – verglichen mit anderen Gebieten der Wirtschaftswissenschaften eher ein geringerer Lohn. Dafür sind die Stellen in Sachen Work-Life-Balance attraktiv und bieten meistens die Option auf flexible Arbeitszeiten und/oder Homeoffice. Gerade das macht sie bei jüngeren Beschäftigten so beliebt. Wie hoch das Gehalt im Marketing letztlich ausfällt, hängt auch maßgeblich von der Branche ab, in die du einsteigst. Gerade bei Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Pharmaindustrie oder Maschinen- und Anlagenbau lassen sich oft deutlich mehr als 45.000 € Jahresbrutto verdienen. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle.
Karriere als Wirtschaftswissenschaftler:in #3: Personalwesen
War for Talents, demografische Entwicklung und flexible Arbeitszeitmodelle: Im Personalwesen sind spannende Entwicklungen im Gange, die auch Absolvent:innen der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten nicht entgehen. Viele Studierende sehen im Personalwesen am ehesten die Chance, einen echten Mehrwert für das eigene Unternehmen zu schaffen. Immerhin setzt die Disziplin direkt beim wichtigsten Gut des Arbeitgebers an – den Mitarbeitenden.
Anforderungen im Personalwesen
Es existieren teilweise sehr skurrile Vorstellungen vom Anforderungsprofil im Personalwesen. Das Lesen von Bewerbungen und das Führen von Bewerbungs- und Mitarbeitergesprächen wird gern auf die leichte Schulter genommen. Dabei erfordern gerade diese Tätigkeiten enormes Fingerspitzengefühl. Aus unserer Erfahrung im HR wissen wir: Vor allem in großen Betrieben hat man selten Einblick in alle Abläufe des Unternehmens – da die ideale Kandidatin zu finden und unter zahlreichen Einsendungen nicht die entscheidenden Nuancen zu übersehen, kann eine Herkulesaufgabe sein. Der HR-Bereich stellt häufig auch den Vermittler zwischen Führungs- und operativer Ebene dar. Deshalb sind Soft Skills hier so wichtig wie nirgendwo sonst. Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie ein gutes Verhandlungsgeschick sind von großer Bedeutung. Da das Human Resource Management auch die Aus- und Weiterbildung verantwortet und dafür sorgt, dass Personal möglichst effizient eingesetzt wird, sind planerisches Denken und Analytik gefragt. Kenntnisse im Arbeitsrecht sind für den Abschluss von Arbeitsverträgen ebenso wichtig.

Stellenangebote im Personalwesen
In kleinen Unternehmen ist HR-Management wenig bis gar nicht umgesetzt, deshalb findest du Positionen im Personalwesen vorwiegend in Großbetrieben und im Mittelstand aller Branchen. Die Aufgaben und die sich daraus ergebenden Jobchancen sind vielschichtig. Sie reichen von der Sachbearbeitung für Lohn- und Gehaltsabrechnung über die betriebsinterne Personalreferenz bis hin zum Dienstleistungsbereich, beispielsweise der Arbeitnehmerüberlassung.
Gehalt im Personalwesen
Im Personalwesen hängt das Gehalt stark vom jeweiligen Aufgaben- und Verantwortungsbereich ab. Wer häufig befördert wird, verdient auch deutlich mehr – hat mit hoher Wahrscheinlichkeit aber auch ein wesentlich höheres Arbeitspensum. Im bundesweiten Mittel verdienen Angestellte im Personalwesen rund 3.600 € brutto monatlich. Ein Masterabschluss kann sich besonders positiv auf das Gehalt auswirken: Liegt das durchschnittliche Jahresbrutto bei Bachelor-Absolvent:innen noch bei etwa 38.000 €, sind mit Master bis zu 48.000 € jährlich drin.
Karriere als Wirtschaftswissenschaftler:in #4: Logistik
Einkaufs- und Absatzpreise diverser Güter unterliegen oft starken Schwankungen. Gutes Timing und umsichtiges Verhandeln können den Betrieben deshalb echtes Geld sparen – was Beschäftigte im Ein- und Verkauf zu wichtigen Stützen eines wirtschaftlichen Unternehmens macht. Nicht zuletzt deshalb sind Stellen im Logistik-Bereich besonders lukrativ.

Anforderungen in der Logistik
Für Beschäftigte im Einkauf und Vertrieb sind in erster Linie Sprachkenntnisse enorm gefragt. Nur wer Englisch verhandlungssicher beherrscht, hat wirklich gute Chancen bei der Bewerbung. Idealerweise beherrschst du noch eine weitere Fremdsprache – je mehr, desto besser. Selbst wenn ein Unternehmen seine Waren nicht global vertreibt, könnte zumindest die Ressourcenbeschaffung auf internationalen Märkten stattfinden. Für die effiziente Einfuhr von Fertigungsmaterial sind allerhand Variablen zu berücksichtigen, zum Beispiel Lagerkapazitäten und Anfahrtswege. Aus diesem Grund ist kalkulatorisches Können wichtig. Eine selbstständige Arbeitsweise, aber auch Teamfähigkeit und Kundenorientierung sind essenzielle Soft Skills in der Materialwirtschaft. Logistiker:innen müssen außerdem über Branchenkenntnis verfügen: Welche Anbieter haben das geforderte Rohmaterial im Sortiment? Sind künftig Lieferengpässe oder Preissteigerungen zu erwarten? Kann das eigene Unternehmen von Lieferrabatten oder Skonti profitieren? Alles Fragen, die gerade Berufseinsteiger:innen selten beantworten können. Aus diesem Grund erhöhen vor allem Praktika oder eine vorangegangene Berufsausbildung, beispielsweise als Industriekauffrau oder -kaufmann, die Chancen auf eine Karriere in der Logistik nach dem Studium enorm. Das gilt letztlich für alle Bereiche – doch für die Logistik im Besonderen.
Stellenangebote in der Logistik
Stellen in der Logistik finden sich vorwiegend im sekundären Sektor. Zwar gibt es den Vertrieb auch im Dienstleistungsbereich, dieser hat aber eher etwas mit Kundenbetreuung und wenig mit der Kerndisziplin der Logistik – der Materialwirtschaft – zu tun. Im produzierenden Gewerbe sind im Grunde alle Branchen auf Beschaffungs- und Absatzmärkten aktiv. Die Folge sind vielfältige Jobchancen, die sich nicht nur auf Großkonzerne beschränken. Auch mittelständische und kleinere Unternehmen betreiben häufig eine eigenständig agierende Abteilung für Einkauf und Vertrieb.
Gehalt in der Logistik
Der Logistik-Bereich regelt das Ressourcen-Management des Unternehmens. Wird Rohmaterial nicht rechtzeitig beschafft, kommt die Fertigung zum Erliegen. Auf der Absatzseite drohen Lagerengpässe und Umsatzausfälle, wenn Fertigerzeugnisse nicht verkauft werden. Es wäre daher nicht übertrieben zu behaupten, dass die Logistik ein Unternehmen am Laufen hält und Beschäftigte dieses Bereiches einiges an Verantwortung tragen. Diese Verantwortung wirkt sich positiv auf die Gehaltsabrechnung aus: Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt bei rund 3.900 €. Gerade wer beim Vorstellungsgespräch auf Praktika, Weiterbildungen und Werkstudententätigkeiten verweisen kann, hat bei der Gehaltsverhandlung gute Argumente. Allerdings hat die Größe des Unternehmens einen sehr starken Einfluss auf das Gehalt – im Mittel zahlt ein Arbeitgeber mit mehr als 1.000 Beschäftigten spürbar mehr.
Karriere: Allgemeine Tipps, mit denen du deine Jobchancen erhöhst
Gestalte ein Deckblatt
Dass deine Bewerbung allein durch ihren Inhalt überzeugt, ist höchstwahrscheinlich ein Irrtum. Natürlich sollte der Inhalt beim Adressaten im Vordergrund stehen – ein ansprechender Aufbau motiviert aber erst zum Lesen und ist daher ebenso wichtig.
Anschreiben: Wichtige Eckpunkte
Für das Anschreiben muss eine einzige Seite reichen, um den potenziellen Arbeitgeber von deinen individuellen Fähigkeiten zu überzeugen. Das Stichwort lautet hierbei „individuell“. Greif Anforderungen aus der beschriebenen Stelle heraus, die du aufgrund deines Werdegangs und deiner Interessen bewältigen kannst. Auch die Motivation, warum du dich auf die Vakanz bewirbst, spielt eine entscheidende Rolle – wobei du dich unter keinen Umständen in nichtssagenden Floskeln verlieren solltest.
Dein Bewerbungsanschreiben sollte dich aus der Masse hervorheben
Im Gegensatz zum Deckblatt ist das Bewerbungsanschreiben fester Bestandteil einer vollständigen Bewerbung. Ziel des Anschreibens ist es, dich aus der breiten Masse an Bewerber:innen hervorstechen zu lassen. Dafür darfst du keinem standardisierten Skript folgen und keine nichtssagenden Floskeln verwenden. Jede Bewerbung erfordert aufs Neue eine Auseinandersetzung mit dem Unternehmen, den gestellten Aufgaben und dir selbst. Teile bereits gewonnene Erfahrungen und Eindrücke mit und mach klar, warum du für die jeweilige Position am besten geeignet bist.
Besonderes Hervorstechen kann nicht nur im positiven Sinne geschehen. Gerade das Anschreiben unterliegt einem strikten Aufbau – beispielsweise die Nennung der eigenen Adressdaten und der des Empfängers oder die Länge, die sich auf eine DIN-A4-Seite beschränkt. Fauxpas bei der Struktur deines Anschreibens lassen dich vermutlich direkt aus der Runde der interessanten Kandidat:innen ausscheiden.
Lebenslauf: Das solltest du beachten
Der Lebenslauf bietet dir Platz für deine schulische und berufliche Ausbildung. Die Aufzählung nimmst du am besten in umgekehrt chronologischer Reihenfolge vor. Dabei genügt es nicht, nur die Bildungseinrichtung bzw. den Standort deines Arbeitgebers zu nennen. Viel entscheidender sind deine Aufgaben – auch die solltest du unbedingt erwähnen und mit wenigen Stichpunkten umreißen.
In einem Unterpunkt sollten deine Weiterbildungen und Praktika Erwähnung finden. Akademiker:innen, die gerade erst das Studium beendet haben, haben vielleicht noch nicht allzu viel Berufserfahrung vorzuweisen. Sie können aber mit Zusatzqualifikationen punkten. Auch hier solltest du dich auf für die Position relevante Aspekte beschränken. Ein Seminar, das du vor acht Jahren in einem Bereich absolviert hast, der mit der vakanten Stelle nichts gemein hat, wird wenig Anklang finden.
Tipp: Hast du bei deinen Weiterbildungskursen Zeugnisse oder Zertifikate erworben, sollten diese über den Anhang unbedingt den Weg in die Bewerbung finden.
Auch wenn deine Hobbys nichts oder allenfalls indirekt mit deinem künftigen Arbeitsplatz zu tun haben, kannst du sie erwähnen. Bist du beispielsweise ehrenamtlich in einem gemeinnützigen Verein tätig, zeugt das von Engagement. Vielleicht teilt deine zukünftige Führungskraft ja dein Interesse für die eine oder andere Freizeitaktivität – dann seid ihr womöglich auf derselben Wellenlänge und du wirkst direkt sympathisch. Und selbst wenn nicht: Diese Sparte freizulassen, zeugt von wenig Interesse und gehört deshalb zu den häufigsten Fehlern im Lebenslauf.

Vorstellungsgespräch
Vor einem Vorstellungsgespräch solltest du dir einige Gedanken machen: über dein Outfit, die vakante Stelle, den Arbeitgeber und natürlich über dich selbst.
Natürlich steht bei deiner Bewerbung dein Fachwissen im Vordergrund. Dennoch sendest du ein schlechtes Signal, wenn du unangemessen gekleidet zum Vorstellungsgespräch erscheinst. Konservative Unternehmen legen häufig Wert auf den Business-Look, das muss aber nicht überall der Fall sein.
Über das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst, solltest du zumindest etwas Bescheid wissen. Niemand verlangt, dass du die komplette Historie herunterbeten kannst, aber die Kernkompetenzen und die wichtigsten Produkte solltest du kennen. Gute Anlaufstellen für die Recherche sind die Unternehmenswebsites.
An irgendeiner Stelle im Vorstellungsgespräch hast du auch Gelegenheit, das Wort zu ergreifen und einige Fragen zu stellen. Wenn du keine Fragen hast, wirkst du desinteressiert. Aufstiegschancen, Weiterbildungsmöglichkeiten oder der Ablauf der Einarbeitung sind Themen, die du ansprechen könntest.
Erhöhe deine Karriereaussichten mit einem professionellen Bewerbungscoaching
Mit den obenstehenden Tipps hast du das Handwerkszeug an der Hand, um gut durch den Bewerbungsprozess zu kommen. Mit unserem professionellen Bewerbungscoaching holst du darüber hinaus das Beste aus dir heraus und gehst einen großen Schritt in Richtung deiner Wunschkarriere.
Häufige Fragen zur Karriere als Akademiker:in
In welchen Branchen haben Akademiker:innen die besten Karrierechancen?
Klassische und nach wie vor aussichtsreiche Bereiche sind Medizin, Jura und Wirtschaftswissenschaften. Jeder Bereich bietet mehrere Berufswege mit unterschiedlichen Anforderungen und Gehältern – von der kurativen Medizin über den Justizdienst bis zu Marketing, Personalwesen oder Logistik.
Was verdient man als Akademiker:in zum Berufseinstieg?
Das hängt stark von der Branche ab. Ärzt:innen in Weiterbildung starten 2026 bei rund 5.000 € brutto im Monat, angestellte Anwält:innen bei etwa 43.000 € im Jahr, Marketing-Einsteiger:innen bei rund 3.500 € monatlich. Faustregel: Je spezialisierter und verantwortungsvoller die Position, desto höher das Gehalt.
Brauche ich für eine juristische Karriere zwingend beide Staatsexamen?
Für die klassischen Berufe – Richter:in, Staatsanwält:in, Rechtsanwält:in – ja. Seit 2025 führen mehrere Bundesländer aber den integrierten Bachelor of Laws ein, der innerhalb des Studiums verliehen wird und zusätzliche Wege in die Wirtschaft und den öffentlichen Dienst eröffnet.
Zählen bei der Bewerbung nur die Noten?
Nein. Noten öffnen vor allem im Justizdienst und in Großkanzleien Türen, doch Berufserfahrung, Praktika, Zusatzqualifikationen und Soft Skills gewinnen branchenübergreifend an Bedeutung. Aus unserer Erfahrung als Personaler entscheidet oft das Gesamtbild aus Unterlagen und persönlichem Auftreten.
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