Hilfe bei der Berufswahl: die besten Tipps

Von Alexander Reschke | Allgemein

Jul 31
Hilfe bei der Berufswahl

Wer ein Bewerbungstraining in Anspruch nimmt, tut dies mit dem Ziel, endlich den Traumjob für sich zu finden. Doch die Berufswahl geht mit schweren Entscheidungen einher, die weit mehr als „nur“ den eigenen Werdegang betreffen. So kommt es, dass viele Schüler, Studenten und zum Teil auch Absolventen nicht wissen, welchen Weg sie nach ihrer Ausbildung tatsächlich einschlagen wollen. Aus diesem Grund geben wir Ihnen im Folgenden ein paar Tipps für die Berufswahl.

Warum fällt die Berufswahl so schwer?

Diese Frage ließe sich kurz und knapp beantworten: Weil die Berufswahl eine der schwersten Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen ist. Doch woran liegt das? Ein Stück weit hat es mit dem Wandel der Zeit zu tun.

Längst gehört es der Vergangenheit an, dass uns unser beruflicher Werdegang durch unseren Vormund oder unseren sozialen Status vorgegeben wird. Wir entscheiden selbst über unser (berufliches) Schicksal. Leider, wäre man fast geneigt zu sagen, beinhaltet diese Wahl eine unüberschaubar große Auswahl an Optionen. Das hängt wiederrum mit der Anzahl der verschiedenen Berufe zusammen. 327 Ausbildungsberufe galten laut statista.de im Jahr 2017 als anerkannt – und das ist noch human. Zu Beginn der 70iger Jahre mussten Bewerber aus mehr als 580 Berufen auswählen. Sobald wir uns für einen bestimmten Berufszweig entscheiden, schließen wir im selben Atemzug eine ganze Reihe von Türen, die sich uns in Zukunft vielleicht nie wieder öffnen werden. Gerade das macht die Berufswahl zu einer der schwersten Entscheidungen überhaupt.

Berufswahl schwere Entscheidung

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Was beeinflusst unsere Berufswahl?

Dass die Berufswahl oft schwierig ist, hätten wir nun geklärt. Doch welche Umstände beeinflussen uns bei dieser richtungsweisen Entscheidung? Hier einige der wohl wichtigsten Faktoren im Überblick.

Sicherheit

Die Arbeitswelt erfindet sich ständig neu. Die stetige Modernisierung macht vielleicht schon morgen einen Beruf erforderlich, an den heute noch nicht zu denken ist. Praktisch derselbe Prozess lässt jedoch auch immer wieder einige traditionelle Berufsgruppen aussterben. Dem wollen wir mit unserer Berufswahl natürlich aus dem Weg gehen und wählen nach Möglichkeit ein Feld, das auch morgen noch gefragt ist. Auf Grund dieser Tatsache sind beispielsweise IT-Berufe bei Schulabgängern so beliebt – dass sich der Trend von Fortschritt und Digitalisierung einmal nicht mehr fortsetzt, ist nicht abzusehen. ITler haben einen erheblichen Anteil daran und profitieren von dieser Entwicklung.

In Puncto Sicherheit kann man natürlich auch von finanzieller Unabhängigkeit sprechen – auch die spielt bei der Berufswahl eine große Rolle. Allerdings hat das Gehalt im Laufe der Jahre stark an Bedeutung verloren. Gerade den Vertretern der sog. Genration Y und Generation Z sind weiche Faktoren wichtiger.

Interessen und Persönlichkeit

Ein Berufsfeld zu wählen, dessen Inhalte und Aufgaben uns persönlich egal sind, wäre wohl alles andere als förderlich. Wir wollen einen Beruf, der unsere Interessen widerspiegelt und der uns auch persönlich am Herzen liegt. Nur dann können wir uns vollends mit ihm identifizieren und unser volles Potenzial ausschöpfen.

Die Bedeutung der Interessen und der Persönlichkeit eines Bewerbers für die Wirtschaft können Sie erkennen, wenn Sie nur einmal einige Stellenanzeigen aus Zeitungen oder Bewerbungsplattformen hinzuziehen. Im Marketing werden besonders kreative Mitarbeiter gesucht, der Sozialpädagoge in spe sollte kommunikativ und emphatisch sein und der Nachwuchs in der Buchhaltungsabteilung über analytisches Denkvermögen verfügen.

Auch der Gedanke an den faulen Schüler/Studenten ist ein Klischee: Die Mehrheit der jungen Leute sucht im Beruf auch die Herausforderung und will gefördert werden. Monotonie bei den Aufgaben und das Gefühl von mangelnder Wertschätzung lassen vor allem Berufseinsteiger schneller verschleißen und die Lust am Job verlieren.

Work-Life-Balance

Work-Life-Balance hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Arbeit und Familie müssen vor allem für junge Leute miteinander vereinbar sein – dafür nehmen diese dann auch Abstriche beim Gehalt in Kauf. Im Umkehrschluss heißt das für die Unternehmen, dass sich neue Mitarbeiter nicht mehr oder zumindest nur noch bedingt mit besseren Gehaltsaussichten ködern lassen. Weitere Benefits müssen her: Das können beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, Home Office, Betriebskindergärten oder betriebsinterne Restaurants und Fitnessangebote sein.

Ziel muss es für die Arbeitgeber sein, eine Wohlfühlatmospähre für die Angestellten zu schaffen. Die Kür ist es, dass die Angebote speziell für neue, junge Angestellte nicht mit den Vorstellungen der bestehenden Belegschaft kollidieren. Es herrschen zwischen den verschiedenen Generationen durchaus unterschiedliche Auffassungen von einem gelungenen Arbeitsumfeld.

Die eigene Situation

Die persönliche Situation kann von Bewerber zu Bewerber sehr unterschiedlich sein. Sie hat aber ebenso wie die anderen Umstände entscheidenden Einfluss auf die Berufswahl.
Singles sind weit weniger gebunden als Menschen in Partnerschaft und womöglich eher bereit, für bessere Berufsaussichten umzuziehen. Leben bereits Kinder im Haushalt, ist man zusätzlich eingeschränkt – das gilt vor allem für Alleinerziehende.

Wenn Sie sehr familien- und heimatverbunden sind, werden Sie vermutlich keine neue Stelle antreten, wenn es dafür heißt, 400 Kilometer entfernt einen Neubeginn zu wagen. Anders sieht es aus, wenn Ihr Beruf eben genau dazu dienen soll, Sie in ein neues Umfeld zu führen und Sie Ihre gewohnte Umgebung gern freiwillig verlassen würden.

eigene Situation bei der Berufswahl

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Welcher Job ist der Richtige für mich?

Welcher Beruf für Sie der richtige ist, hängt vor allem von den obengenannten Faktoren ab. Wie sehen Ihre Ansprüche an den späteren Lebensstandard aus? Welchen Interessen gehen Sie nach und wo liegen Ihre persönlichen Stärken? Wie viel Zeit möchten Sie später einmal auf bzw. mit der Arbeit verbringen und in welcher Atmosphäre möchten Sie Ihren Berufsalltag ausleben? All das sind Fragen, die Sie sich stellen sollten, um den idealen Beruf für sich zu finden.

Tipps für die Berufswahl

Um Ihnen bei der richtigen Berufswahl zu helfen, haben sich zahlreiche nützliche Informationsquellen und Werkzeuge entwickelt. Zum Beispiel die Jobberichte der Arbeitsagentur. Diese geben Ihnen einen groben Überblick über die Tätigkeit an sich, über die Dauer der Ausbildung und potenzielle Anlaufstellen für Ihre Bewerbung.

Falls Sie Ihre Interessen und Fähigkeiten selbst nicht richtig einordnen können, kann das Internet eine gute Stütze sein. Im Quiz „Welcher Beruf passt zu mir?“ von mein-wahres-ich.de erfahren Sie beispielsweise einiges über Ihre Persönlichkeit und erhalten basierend auf Ihrem Testergebnis auch eine Reihe von Berufsvorschlägen. Liebäugeln Sie mit einem Studium an einer Universität oder einer Hochschule, liefern Studentenportale wie Uniturm.de eine Hilfe bei der Studienwahl sowie einen kostenlosen Studienwahltest.

Wenn Sie sich selbst bei Ihrer Berufswahl schwer tun, suchen Sie ruhig den Austausch mit anderen. Eventuell haben Freunde und/oder Verwandte eine Tätigkeit für Sie im Blick, die Sie selbst noch gar nicht in Betracht gezogen haben. Außerdem nehmen Ihre Mitmenschen Sie in Bezug auf Ihre Fähigkeiten und Persönlichkeit womöglich noch eher wahr als Sie selbst. Sollten Sie also einen Weg einschlagen, der nach Auffassung Ihre Freunde und Verwandten nicht zu Ihnen passt, wird man Ihnen das sicher mitteilen.

Tipps für die Berufswahl

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Reicht mein Schulabschluss für meinen Traumjob?

Natürlich ist im Hinblick auf die Berufswahl auch die eigene Qualifikation entscheidend. Das leuchtet ein: Mit einer Ausbildung im Handwerksbereich allein können Sie nicht Arzt werden.
Für die Ausbildung, die einem den Weg in den Traumberuf ebnen soll, müssen manchmal erst einige Hindernisse überwunden werden – egal ob Sie sich weiterbilden oder komplett neu orientieren wollen. Hierfür stellen wir Ihnen einige Optionen kurz vor.

Fachabitur erwerben

Um an einer Hochschule studieren zu können, ist nicht zwingend eine allgemeine Hochschulreife von Nöten. Mit Hilfe eines Fachabiturs ist ein Studium ebenso möglich. Dabei sind jedoch zwei verschiedene Abschlüsse voneinander abzugrenzen – die Fachhochschulreife und die fachgebundene Hochschulreife. Für beide wird allgemeinhin das Wort „Fachabitur“ verwendet.
Die Fachhochschulreife berechtigt Sie zum Studieren an einer Fachhochschule, jedoch nicht an einer Universität. Anders sieht dies mit der fachgebundenen Hochschulreife aus. Mit ihr sind auch Universitätsstudiengänge möglich, jedoch nur – wie der Name schon vermuten lässt – innerhalb der jeweiligen Fachrichtung. Als klassische Spezialisierungen gelten Bereiche wie Wirtschaft, Technik und Sozialwesen.

Verglichen mit der allgemeinen Hochschulreife ermöglicht einem die Fachhochschulreife allerdings nicht dieselben Möglichkeiten. Klassische Universitätsberufe wie Jurist oder Mediziner können nicht erworben werden.

Der Erwerb des Fachabiturs ist in Vollzeit oder als Fernstudium möglich und dauert in der Regel zwischen 2-3 Jahren.

Allgemeine Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg

Sollten Ihnen die Möglichkeiten des Fachabiturs nicht ausreichen, ist auch der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Hierzu dient der sog. zweite Bildungsweg, der im Wesentlichen die Ausbildung in Vollzeit an einem Berufskolleg oder an einem Abendgymnasium beschreibt. Grundsätzlich unterscheidet sich die allgemeine Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg nicht von der eines Regelgymnasiums – Abweichungen kann es jedoch im Kurs- und Fachangebot der Schulen geben.

Auch die Ausbildung am Berufskolleg/Abendgymnasium dauert 2-3 Jahre. Sie umfasst jedoch meistens im Vergleich zum Fachabitur mehr Fächer, darunter eine zweite Fremdsprache. Da Studierende in der Erwachsenenbildung häufig über mehrere Jahre aus dem Schulalltag ausgeschieden sind, bieten die meisten Schulen Einführungsphasen und Vorkurse an, ehe die Ausbildung in die eigentliche Kursphase des allgemeinen Abiturs übergeht.

Studium ohne Abitur

Studieren ist auch komplett ohne Hochschulreife möglich – sei sie nun fachgebunden oder allgemein. Das Interesse am Studium ohne Abitur wächst stetig. Laut studieren-ohne-abitur.de nutzen derzeit 57.000 diese Option.

Da Bildung jedoch nach wie vor Ländersache ist, sind die Einstiegsbedingungen für Interessenten in jedem Bundesland unterschiedlich – und driften zum Teil weit auseinander. In Sachsen beispielsweise müssen Studienanfänger ohne Abitur eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und drei Jahre Berufserfahrung vorweisen. Zudem sind ein Beratungsgespräch und eine Eignungsprüfung von Nöten. In Nordrhein-Westfalen dagegen ist die Eignungsprüfung nur bei fachfremden Studiengängen von Nöten. In begründeten Einzelfällen kann sogar die erforderliche Berufsausbildung entfallen.

Weiterbildungen

Vielleicht erfordert Ihre Berufswahl ja aber nicht das Erlangen der Hochschulreife oder gar eines akademischen Grades. Dann und in vielen weiteren Fällen kann eine Weiterbildung sinnvoll sein. Sie kann entweder dazu dienen, bereits bestehende Kenntnisse zu festigen oder Einblicke in komplett Themengebiete gewähren. Besonders gefragt sind beispielsweise Weiterbildungen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, da diese in vielen Branchen verlangt sind.

Übrigens: Die Weiterbildung ist von der Fortbildung abzugrenzen. Fälschlicherweise wird der Begriff „Weiterbildung“ oft synonym für beide Maßnahmen verwendet. Dabei kann sich die Weiterbildung, wie schon gesagt, auch auf fachfremde Themen beziehen, wohingegen die Fortbildung darauf abzielt, bestehendes Wissen aufzugreifen und zu erweitern.

Hilfe bei der Berufswahl Weiterbildung

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Fazit

Die Berufswahl ist eine Entscheidung, für die Sie sich unbedingt Zeit nehmen sollten, denn Sie wird mindestens ein Kapitel Ihres Lebens maßgebend mitgestalten. Um sich nicht in dem Dickicht aus Berufen zu verlieren, gibt es jedoch eine Reihe von Hilfsmitteln.

Unter welchen Bedingungen Sie später einmal berufstätig sein möchten und welcher Tätigkeit Sie sich widmen, müssen Sie – und nur Sie – selbst entscheiden. Niemand kann und sollte Ihnen diese Entscheidung abnehmen. Dennoch muss die erste Wahl nicht immer die richtige sein. Tatsächlich ist es heutzutage eher die Ausnahme, dass Arbeitnehmer ihr gesamtes Berufsleben lang in demselben Feld tätig sind. Für die berufliche Um- und Neuorientierung stehen Ihnen abermals zahlreiche Optionen zur Verfügung.

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Über den Autor

Alexander Reschke ist ein renommierter Bewerbungstrainer, Gründer von Bewerbungstraining.de und Autor des erfolgreichen Bewerbungs-Ratgebers "Geheime Strategien erfolgreicher Bewerber". Seine Passion ist es, Bewerber auf ihrem Weg zum Job tatkräftig zu unterstützen. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Reisen durch die sonnigen Teile dieser Welt und Kartsport.