Jobchancen für Juristen

Von Alexander Reschke | Allgemein

Jun 15
Jobchancen für Juristen

Ein Mitarbeiter eines Beratungsunternehmens, ein Richter, ein Rechtsanwalt und der Leiter der juristischen Abteilung eines Großunternehmens. Was haben all diese Personen miteinander gemeinsam? Sie haben Jura studiert. Das Jura-Studium bietet zahlreiche Möglichkeiten für den Berufseinstieg, nicht immer führt der Weg vom Hör- in den Gerichtssaal. Bewerbungstraining.de hat die besten Jobchancen für Juristen einmal aufgelistet.

Juristen sind pedantisch, haben gerne Recht und sprechen ihre ganz eigene Sprache. Klischees über Jurastudenten gibt es reichlich. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass es den typischen Juristen gar nicht geben kann. Der Berufszweig ist so vielfältig wie kaum ein anderer. Im Folgenden geben wir Ihnen einen groben Überblick über die Jobchancen für Juristen und welche Fähigkeiten Sie mitbringen müssen, damit Ihre Bewerbung Erfolg hat.

Examensstudium vs. Bachelor und Master

Das Jurastudium im klassischen Sinne versteht sich als Examensstudium. Nach dem Bestehen beider Staatsexamen gilt man als sog. „Volljurist“. Viele Absolventen wählen dann den traditionellen Weg und entscheiden sich für eine Karriere als Rechtsanwalt, Richter oder Anwalt im Staatsdienst. Spätestens seit der Umstellung des Universitäten-Modells auf Bachelor- und Masterstudiengänge lohnt sich aber auch schon im Vorfeld der Blick in die freie Wirtschaft. Wer den Titel des Bachelor bzw. Master of Laws innehat, findet seinen beruflichen Einstieg häufig in den juristischen Abteilungen von Unternehmen.

Jobchancen für Juristen #1: Der Justizdienst

Entscheiden sich Jura-Studenten bewusst für den öffentlichen Dienst, streben die meisten von ihnen den sog. höheren Justizdienst an, der die Tätigkeit als Richter oder Staatsanwalt umfasst. Staatsanwälte vertreten den Staat bei Rechtsfragen und bieten Karrieremöglichkeiten für Juristen im traditionellen Sinne.
Das heißt jedoch nicht, dass sich die breite Masse für einen Werdegang im höheren Justizdienst entscheidet. Tatsächlich ist dem nicht so. Laut einer Studie der Kienbaum Consulting GmbH wird es zunehmend schwieriger, junge Juristen für den Bereich zu begeistern. Das sei vor allem deshalb besonders heikel, weil eine große Pensionierungswelle auf Gerichte und Staatsanwaltschaften zurolle. Wer sich entgegen dieses Trends für den Beruf des Staatsanwalts oder den des Richters begeistern kann, für den ist dies wohl eine gute Nachricht. Der zunehmende Personalbedarf wird die Einstiegsnoten in den kommenden Jahren sicher nicht steigen lassen.

Anforderungen im Justizdienst

Das Bewerbungsverfahren für den höheren Justizdienst steht und fällt mit den Examensnoten. Welche Institution für das Verfahren zuständig ist und welche Zugangsnoten mindestens erreicht werden müssen, obliegt den Bundesländern und kann variieren. Mal haben beide Staatsexamen für die Bewerbung Relevanz, mal nur das zweite, mal wird aus beiden Abschlussnoten die Summe gebildet und es darf eine gewisse Punktzahl nicht unterschritten sein. Grundsätzlich wird dem zweiten Examen aber mehr Bedeutung zuteil als dem ersten.
Die gute Nachricht ist, dass die magische Grenze ab einer Punktzahl von 9,0 – der sog. Vollbefriedigung – praktisch nie erreicht werden muss. Vielmehr bewegen sich die Mindestanforderungen der Noten zwischen 7,0 und 8,0 Punkten je Examensprüfung.

Allerdings werden Ihre Bewerbungsunterlagen samt Anschreiben, Nachweisen, etc. ungelesen aussortiert, sollten Sie die geforderte Punktzahl unterschreiten. Die Notenanforderungen sind kein Richtwert, sondern verbindlich und müssen zur Erfüllung aller formellen Kriterien erreicht sein.

Vor allem Richter sehen sich in ihrem Berufsalltag mit zahlreichen Konflikten konfrontiert. Bestimmtheit, aber auch ein deeskalierendes Auftreten sind essentielle Eigenschaften für den Beruf, die jedoch in keiner Jura-Vorlesung gelehrt werden. Gerade im Anwaltsberuf zählt eine Reihe von Soft-Skills. Eine souveräne Verhandlungsweise bedingt ein sicheres Auftreten. Ein guter Anwalt ist auch ein eloquenter Rhetoriker – der Umgang mit Sprache ist in der Rechtswissenschaft aber generell wichtig.

Gehalt im Justizdienst

Statistiken zufolge lässt sich im Justizdienst weniger verdienen als in der freien Wirtschaft. Dennoch sind die Gehaltsaussichten für Berufseinsteiger nach zwei bestanden Examen und Referendariat sehr positiv. Die Besoldung von Staatsdienern ist im Landesbesoldungsgesetz geregelt und kann je nach Bundesland zum Teil um mehrere hundert Euro im Monat schwanken. Auch die Größe des Gerichts und Ihr Aufgabenbereich spielen beim Gehalt eine Rolle.

Laut karista.de können Berufseinsteiger – egal ob Richter oder Staatsanwalt – mit etwa 3.500€ brutto monatlich rechnen. Spitzengehälter bewegen sich zwischen 8.500€ – 9.400€ im Monat.

Jobchancen für Juristen

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Jobchancen für Juristen #2: Die Rechtsanwaltschaft

Wenn Staatsanwälte die Interessen von Bund und Ländern vertreten, muss sich eine Gruppe von Juristen auch den Interessen von Privatpersonen, gemeinnützigen Vereinen und Unternehmen widmen. Dieser Aufgabe verschreiben sich Rechtsanwälte, die in allen möglichen Rechtsgebieten aktiv sind: sei es das Strafrecht, Arbeitsrecht, Erbrecht, Sozialrecht, Mietrecht oder Familienrecht.

Anforderungen in der Rechtsanwaltschaft

Viele Anwaltskanzleien erwarten von ihren Bewerbern zwei gute bis überdurchschnittliche Examensabschlüsse. Auch Vollbefriedigung bei beiden Prüfungen wird hin und wieder verlangt – diese Hürde überwinden aber nur etwa zehn Prozent aller Studierenden. Im Zuge des War for Talents haben die meisten Kanzleien aber erkannt, dass Noten allein nicht alles sind. Berufserfahrung erhöht die Jobchancen für Juristen ungemein, idealerweise nicht nur im Rechtsgebiet der vakanten Stelle, sondern auch in den angrenzenden Gebieten (zum Beispiel Urheberrechtskenntnisse im Medienrecht).
Verhandlungssichere Englischkenntnisse sind in vielen Fällen ebenso vonnöten, da Kanzleien oft international operierende Unternehmen vertreten. Es wird außerdem immer mehr auf Business-Skills Wert gelegt. Anwälte mit BWL-Kenntnissen sind gefragt wie nie. Aus diesem Grund haben Weiterbildungen einen großen Wert auf Ihre Karrierechancen. Was die rhetorischen Fähigkeiten anbelangt, gilt für Rechtsanwälte dasselbe wie für die Kollegen im Staatsdienst. Allerdings gilt ein Rechtsanwalt ein Stück weit als das Produkt seiner Kanzlei, soll heißen: er muss Mandanten akquirieren und sich ihnen gegenüber zu verkaufen wissen.

Gehalt in der Rechtsanwaltschaft

Wie der obere Absatz beweist, stellen Anwaltskanzleien hohe Ansprüche an ihre Bewerber. Dafür werden die Arbeitsplätze aber auch entsprechend vergütet. Selbst in den neuen Bundesländern können Berufseinsteiger schon mit einem Jahresgehalt von mehr als 38.000€ brutto rechnen. Spitzenreiter bei den Einstiegsgehältern ist Hessen mit durchschnittlich 56.000€ im Jahr. Anwälte mit Berufserfahrung verdienen im Durchschnitt sogar 10.000€ mehr als ihre Kollegen beim Karrierestart.

Jobchancen für Juristen Anwalt

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Jobchancen für Juristen #3: Die Rechtsberatung

Nicht jedes Unternehmen führt eine eigene Rechtsabteilung. Vielmehr wickeln gerade kleinere und mittelständische Betriebe ihre juristischen Angelegenheiten über externe Beratungsunternehmen ab – daraus ergibt sich ein Berufszweig für Juraabsolventen, die sich für einen Werdegang in der Gerichtsbarkeit nicht erwärmen können.
Wer den Gehaltsgipfel erklimmen will, findet diesen nach wie vor bei den großen Konzernen mit interner Rechtsberatung. Hier erwarten die Arbeitnehmer aber meistens eine große Verantwortung und ein hohes Arbeitspensum.

Anforderungen in der Rechtsberatung

Rechtsberater müssen nicht immer zwingend Volljuristen sein, in vielen Fällen genügt auch das erste Staatsexamen oder der Abschluss eines Studiums mit juristischem Schwerpunkt. Wichtig sind neben juristischer Expertise auch Branchenkenntnisse. Beratungsunternehmen agieren oft in konkreten Geschäftsfeldern, zum Beispiel dem Datenschutz oder dem Wirtschaftsrecht. Deshalb sollten Bewerber idealerweise über Berufserfahrung verfügen und/oder in ihrem Lebenslauf auf Praktika und Weiterbildungsmaßnahmen verweisen können. In unserem Bewerbungsunterlagen Check zeigen wir, wie Sie diese ideal in Ihrer Bewerbung zur Geltung kommen lassen.

Gehalt in der Rechtsberatung

Der Stellenmarkt ist innerhalb der Rechtsberatung stark umkämpft – nicht selten gehen bis zu 500 Bewerbungen auf eine Stelle ein. Vor allem Juristen mit mittelmäßigen und unterdurchschnittlichen Abschlussnoten müssen deshalb Abstriche in Sachen Jahresgehalt machen, um sich überhaupt realistische Jobchancen ausrechnen zu können. Aus diesem Grund sind gerade die Einstiegsgehälter vergleichsweise niedrig angesiedelt und variieren je nach Bundesland zwischen 2.500€ und 3.200€ monatlich. Nach oben hin bietet die Rechtsberatung aber eine Menge Spielraum. In kaum einer anderen Branche sind Noten und Zertifikate so gefragt, aber auch so lohnenswert. Gut qualifizierte Angestellte verdienen auf der höchsten Stufe der Karriereleiter zwischen 70.000 und 90.000 Euro im Jahr.

Jobchancen für Juristen Rechtsberatung

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So erhöhen Juristen ihre Jobchancen

Volljuristen mit vollbefriedigenden Examen können sich ihr künftiges Berufsfeld praktisch aussuchen. Doch auch für sie gibt es nach dem Studium noch immer Hürden zu überwinden – Gleiches gilt umso mehr für Alumni mit weniger guten Abschlussnoten.

Im öffentlichen Dienst – egal auf welcher Ebene – werden Sie sicher mit Einstellungstests und Bewerberauswahlverfahren konfrontiert werden. Dieser Test besteht mindestens aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Je nach Bereich kommen eventuell noch individuelle Aufgaben hinzu, zum Beispiel Assessment Center.

Bewerber in der freien Wirtschaft werden in der zweiten oder dritten Runde des Auswahlverfahrens ein Vorstellungsgespräch haben. Für den Staatsdienst sind eher Gesprächsrunden üblich. In beiden Fällen werden Sie mit Sicherheit zu Ihrer Motivation und Ihren Fähigkeiten befragt. Gehen Sie keinesfalls unvorbereitet in ein solches Gespräch, gerade wenn Sie den Anforderungen der vakanten Stelle gerade so gerecht werden, können Sie Ihre Jobchancen im Dialog noch einmal kräftig steigern – oder durch Fauxpas sämtliche Sympathien verspielen.

Selten geht es in Vorstellungsgesprächen nur um Ihre Vita und Interessen. An irgendeiner Stelle werden Sie das Wort und die Möglichkeit haben, Fragen an den potenziellen Arbeitgeber zu richten. Überlegen Sie sich vorab einige Punkte, die Ihnen wichtig erscheinen. Wer diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lässt, verspielt nicht nur die Chance, das Unternehmen oder die Institution kennenzulernen. Man wirkt zudem desinteressiert. Das kann vor allem dann ein Ausscheidungsgrund sein, wenn die Wahl zwischen zwei gleichstarken Kandidaten getroffen werden soll.
Thematisieren könnten Sie beispielsweise die Einarbeitungsphase in die neue Stelle oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Sind Sie unsicher, bieten wir Ihnen mit unserem Bewerbungscoaching und Bewerbungstraining die ideale Möglichkeit, sich optimal auf vielversprechende Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

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Vielen Dank für das Titelbild an © jessica45/pixabay.com!

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Über den Autor

Alexander Reschke ist ein renommierter Bewerbungstrainer, Gründer von Bewerbungstraining.de und Autor des erfolgreichen Bewerbungs-Ratgebers "Geheime Strategien erfolgreicher Bewerber". Seine Passion ist es, Bewerber auf ihrem Weg zum Job tatkräftig zu unterstützen. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Reisen durch die sonnigen Teile dieser Welt und Kartsport.