Das Arbeitszeugnis: Zweck, rechtliche Grundlagen und Muster

Von Alexander Reschke | Allgemein

Okt 08

Bei einer Bewerbung dreht sich alles um den ersten Eindruck. Für viele Personaler ist das Arbeitszeugnis neben Bewerbungsanschreiben und Lebenslauf deshalb ein wichtiger Indikator dafür, ob Sie für die vakante Stelle in Betracht kommen. Worauf Sie beim Erhalt Ihres Arbeitszeugnisses achten sollten, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Arbeitszeugnis: Rechtliche Grundlagen

Endet ein Beschäftigungsverhältnis, hat der Arbeitnehmer laut §109 Gewerbeordnung (GewO) einen rechtlichen Anspruch auf die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in dem zu diesem Thema Rechtsprechung existiert. Dennoch sollten Sie Ihren rechtlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nicht als reines Privileg betrachten. Legen Sie Ihren Unterlagen kein Zeugnis vorangegangener Arbeitsverhältnisse bei, kann das beim Adressaten Ihrer Bewerbung schnell Misstrauen erwecken. Somit sind Sie vielmehr in der Pflicht, sich ein Arbeitszeugnis ausstellen zu lassen, mit dem Sie Ihren beruflichen Werdegang dokumentieren können.

Arbeitszeugnis: Welche Arten gibt es?

Grundsätzlich werden beim Arbeitszeugnis zwei Arten unterschieden. Diese ergeben sich aus der Rechtsgrundlage.

Im §109 Absatz 1 GewO heißt es dazu:
(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

Das einfache Arbeitszeugnis

Wie der Name wohl bereits vermuten lässt, ist das einfache Arbeitszeugnis in der Regel von überschaubarem Umfang. Sein Inhalt beschränkt sich auf leicht nachprüfbare Angaben, wie Name und Anschrift des Bewerbers, Dauer der Beschäftigung und die Art der Tätigkeit.

Aussagen über die Qualität der Arbeit werden hier noch nicht getroffen. Aus nachvollziehbaren Gründen hat das einfache Arbeitszeugnis daher wenig Aussagekraft und ist für den Bewerbungsprozess, bzw. das Hervorheben Ihrer Leistungen und Person kaum von Bedeutung. Es ist lediglich ein Beleg dafür, dass Ihre Angaben im Lebenslauf zumindest zeitlich und räumlich den Tatsachen entsprechen.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis

Das qualifizierte Arbeitszeugnis enthält alle Angaben des einfachen Arbeitszeugnisses. Darüber hinaus wird auch noch eine Bewertung hinsichtlich Ihrer Leistungen und Ihrer sozialen Kompetenz vorgenommen. Diese erfolgt jedoch nicht wie bei einem Schulzeugnis anhand eines Notenspiegels.

Personaler entnehmen die Qualität Ihrer Arbeit aus dem Wortlaut des Arbeitszeugnisses. Dafür haben sich in der Praxis einige Termini etabliert, die für den Leser genauste Hinweise auf Ihre Fähigkeiten enthalten. Haben Sie Ihre Aufgaben beispielsweise „stets zur vollsten Zufriedenheit“ erfüllt, entspricht dies der Note „sehr gut“. Sollte Ihr Arbeitszeugnis den Terminus „stets bemüht“ enthalten, weiß der Personaler des potenziellen Arbeitgebers in spe sofort, dass Ihre Leistungen im jeweiligen Bereich ungenügend waren.
Auf Grund seiner wesentlich stärkeren Aussagekraft hat sich das qualifizierte Arbeitszeugnis gegenüber dem einfachen Arbeitszeugnis bewährt. Deshalb ist es die Form, die Sie beim Ausscheiden aus einem Unternehmen zwingend verlangen sollten – wobei Ihnen die Wahl zwischen beiden Varianten grundsätzlich freisteht.

Die Wohlwollenspflicht

In §109 Absatz 2 GewO heißt es:
(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

Ein Arbeitszeugnis muss demzufolge wohlwollend formuliert sein. Hinter diesem Grundsatz verbirgt sich viel, denn ein schlechtes Arbeitszeugnis kann für Sie zu einem großen Hindernis bei der Jobsuche werden. Aus diesem und weiteren Gründen sind Arbeitgeber angehalten, ihren Angestellten ein Arbeitszeugnis ausstellen, dass zur Eigenwerbung dient und diesen nicht schadet.

In der Regel kommen die Unternehmen ihrer Wohlwollenspflicht nach, da Arbeitnehmer einen Anspruch auf Nachbesserung haben. Ein schlechtes Zeugnis führt daher in den meisten Fällen zum Streit mit dem Arbeitnehmer, den die Arbeitgeber kaum für sich entscheiden können und der ihnen keinerlei wirtschaftlichen Nutzen bringt, da der Angestellte das Unternehmen ja ohnehin verlässt.

An sich liegen die Vorteile beim Arbeitszeugnis also bei Ihnen als Arbeitnehmer. Durch die Wohlwollenpflicht büßt es jedoch auch einiges an Aussagekraft ein und verkommt in einigen Fällen zu einer Art Hygenefaktor. Wie oft Sie bei Ihrem Zeugnis haben nachbessern lassen, weiß der Leser nicht. Umso stärker wirkt jedoch ein schlechtes Arbeitszeugnis – die bloße Tatsache, dass Sie nicht von Ihrem Recht auf eine wohlwollende Formulierung Gebrauch gemacht haben, ist ein stark negatives Signal.

Wozu dient das Arbeitszeugnis?

Bewerbungsanschreiben und Lebenslauf stammen in der Regel aus Ihrer Feder – das weiß auch der Personalverantwortliche Ihres Wunschunternehmens. Für ihn ist es deshalb von enormer Bedeutung, etwas aus zweiter Hand über Sie zu erfahren. Hier kann das Arbeitszeugnis eine große Hilfe sein, schließlich werden Sie von Dritten, in den meisten Fällen von Ihren Vorgesetzten, beurteilt.

Gleichzeitig können Sie selbst mit einem guten Arbeitszeugnis punkten. Deckt sich das Anforderungsprofil der vakanten Stelle mit den Aufgaben, die Sie laut des Verfassers Ihres Zeugnisses über die gesamte Dauer des Beschäftigungsverhältnisses mit Bravour gemeistert haben, ist das natürlich ein großes Plus. Zudem findet sich in einem qualifizierten Arbeitszeugnis auch immer ein Kommentar zu Ihren sozialen Kompetenzen und Ihrem Engagement. Ihre Motivation und den Grund Ihrer Berufswahl können und sollten Sie zwar im Anschreiben herausstellen, es kann Ihnen aber nur helfen, wenn Ihnen Ihr Vorgesetzter ebenfalls eine positive Einstellung bescheinigt.

Das Zwischenzeugnis

Ein Arbeitszeugnis kann nicht nur bei Auflösung eines bestehenden Arbeitsvertrages ausgestellt werden. Auch während eines noch laufenden Beschäftigungsverhältnisses ist die Ausstellung eines so genannten Zwischenzeugnisses möglich. Allerdings besteht hierbei kein gesetzlicher Anspruch. Das Zwischenzeugnis muss per Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag geregelt sein. Ob für Sie ein Anspruch besteht, klären Sie am besten bei Ihrem Vorgesetzten, dem Personalverantwortlichen oder, sofern vorhanden, mit dem Betriebsrat Ihres Arbeitgebers.

Wie beim gesetzlichen Arbeitszeugnis existieren auch beim Zwischenzeugnis zwei Grundarten, das einfache und das qualifizierte Zwischenzeugnis. Es dient in der Regel der Vorbereitung eines Arbeitgeber-, Abteilungs- oder Standortwechsels. Sollten Sie künftig einem anderen Vorgesetzten zugeteilt sein, können Sie ebenfalls Anspruch auf ein Zwischenzeugnis geltend machen.

Wann ist ein Zwischenzeugnis sinnvoll?

Ein guter Grund für das Verlangen eines Zwischenzeugnisses liegt klar auf der Hand: Sollten Sie in naher Zukunft mit dem Gedanken spielen, den Arbeitgeber zu wechseln, kann es eine sehr sinnvolle Ergänzung Ihrer Bewerbungsunterlagen sein.

Selbst wenn Sie diese Absicht nicht hegen und im Grunde mit Ihrer beruflichen Situation zufrieden sind, lohnt sich das Zwischenzeugnis unter Umständen für Sie. Solange das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber gut ist, wird sich das auch in Ihrem Arbeitszeugnis widerspiegeln. Sollte man zu einem späteren Zeitpunkt im Streit auseinander gehen, können Sie auf mindestens ein gutes Arbeitszeugnis zurückgreifen.

Sollte zwischen der Erstellung des Zwischenzeugnisses und dem Ende Ihrer Tätigkeit im Unternehmen eine lange Zeit liegen, ist Vorsicht geboten. Vor allem wenn das abschließende Arbeitszeugnis dann deutlich schlechter ausfällt als das erste, kann der Eindruck entstehen, dass Ihre Leistungen mit der Zeit merklich einbrachen. Unter Umständen verspielen Sie dann mehr Sympathien als Sie gewinnen.

Arbeitszeugnis: Aufbau

Bei der Bewerbung hat sich über die Jahre ein bestimmter Aufbau etabliert. Sich beispielsweise nicht an eine umgekehrt chronologische Reihenfolge zu halten, gehört zu den häufigsten Fehlern im Lebenslauf.

Ähnlich verhält es sich beim Arbeitszeugnis, darum gilt: Falls Ihr Zeugnis von den im Folgenden beschriebenen Merkmalen abweicht, sollten Sie eine Nachbesserung verlangen.

Arbeitszeugnis Aufbau

©bewerbungstraining.de

Form

Das Arbeitszeugnis wird in Schriftform und auf einer A4-Seite ausgedruckt ausgestellt. Üblich ist dafür die Verwendung von Firmenpapier samt Wasserzeichen, Stempel und Unterschrift des Vorgesetzen.

Beachten Sie auch §109 Absatz 3 GewO:
(3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.

Das bedeutet: Einsendungen per Mail dürfen Sie ablehnen.

Individualität

Auch wenn zur Leistungsbewertung gängige Formulierungen existieren, hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein auf ihn zugeschnittenes Zeugnis. Können Sie nachweisen, dass Ihr Zeugnis abgeschrieben wurde, müssen Sie dieses nicht annehmen. Die Schwierigkeit hierbei liegt allerdings bei der Beweisbarkeit.

Persönliche Angaben

Die Angaben zu Ihrer Person müssen vollständig und frei von Fehlern sein. Üblich sind hier Name, Geburtsdatum, sowie Art und Dauer Ihrer Tätigkeit.

Angaben zur Tätigkeit

Die Beschreibung der von Ihnen übernommenen Aufgaben geschieht meist als Aufzählung. Überprüfen Sie diese zwingend auf Vollständigkeit, denn Sie wissen selbst am besten, was Sie gemacht haben. Für den Personaler, der Ihnen auf Wunsch Ihres Vorgesetzten ein Arbeitszeugnis ausstellt, muss das nicht gelten.

Leistungsbeurteilung

An dieser Stelle wird aus Ihrem einfachen Arbeitszeugnis ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Die Bewertung Ihrer Fähigkeiten erfolgt als Fließtext. Fachliche Kompetenzen stehen meistens im Vordergrund, darauf folgen Motivation und der Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen.


Hatten Sie eine Führungsposition inne, sollte eine Leistungssteigerung Ihrerseits erkennbar sein. Diese muss nicht zwingend in einer Beförderung gipfeln. Es genügt, wenn die Verbesserung Ihrer Fähigkeiten für den Leser ersichtlich ist.

Zukunftswünsche und Ausscheidungsgrund

Am Schluss darf der Verfasser dem Arbeitnehmer noch „für seine Leistungen im Unternehmen danken“ und ihm „alles Gute für die Zukunft“ wünschen. Formulierungen dieser Art sind optional. Ein Verzicht auf Sie wird aber tendenziell negativ aufgefasst und erweckt den Eindruck, als sei die Trennung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Streit vonstattengegangen.

Der Ausscheidungsgrund aus dem Unternehmen, etwa auf eigenem Wunsch, darf nur mit Ihrer Zustimmung genannt werden. Existieren für Ihre Kündigung betriebs- oder gar verhaltensbedingte Gründe, sollten Sie von einer Erwähnung absehen und Nachbesserung verlangen, falls diese auftauchen.

Arbeitszeugnis bei Praktika

§109 GewO findet auch bei Praktika Anwendung. Das bedeutet, dass Sie auch am Ende eines Praktikums einen Anspruch auf die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses haben. Oft ist dabei auch von einem Praktikumszeugnis oder einer Praktikumsbeurteilung die Rede.

Sollte Ihnen Ihr Praktikumsbetrieb nicht von sich aus ein Praktikumszeugnis ausstellen, scheuen Sie sich nicht, von Ihrem Recht Gebrauch zu machen. Schließlich dient das Praktikum dem Erwerb und der Festigung praxisrelevanter Kenntnisse. Das Praktikumszeugnis ist ein wichtiger Beleg für die Art und Weise, mit der Sie Ihnen übertragene Aufgaben bewältigt haben und kann der Eigenwerbung genauso dienlich sein wie das Zeugnis eines festen Arbeitsverhältnisses.

Ein Muster für ein Arbeitszeugnis finden Sie hier:
Arbeitszeugnis Muster

Vielen Dank an ©geralt/pixabay.com für das Titelbild!

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Alternativen zur Gehaltserhöhung
Online Bewerbung: Tipps für das Online Bewerbungsformular
Das perfekte Outfit fürs Vorstellungsgespräch
Typische Fehler im Lebenslauf vermeiden
Tipps für die Email-Bewerbung
Initiativbewerbung: Tipps, Muster, Vorlagen & Beispiele

Brauchen Sie Unterstützung bei Ihrer Bewerbung? mehr erfahren

Follow

Über den Autor

Alexander Reschke ist ein renommierter Bewerbungstrainer, Gründer von Bewerbungstraining.de und Autor des erfolgreichen Bewerbungs-Ratgebers "Geheime Strategien erfolgreicher Bewerber". Seine Passion ist es, Bewerber auf ihrem Weg zum Job tatkräftig zu unterstützen. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Reisen durch die sonnigen Teile dieser Welt und Kartsport.